Wie Katzen ihre Menschen erziehen – ein streng geheimes Trainingsprogramm
- Anna Rathbauer
- 18. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

Viele Menschen glauben ja immer noch, sie hätten ihre Katze gut im Griff. Sie sind überzeugt, dass sie entscheiden, wann gefüttert wird, wann gespielt wird und wer eigentlich der Chef im Haus ist.Die Katze lächelt in solchen Momenten innerlich sehr müde – denn natürlich läuft das Ganze genau andersherum.
Katzen sind nämlich keine Haustiere. Katzen sind hochspezialisierte Menschentrainer mit jahrelanger evolutionärer Erfahrung. Und ihr Trainingsprogramm beginnt meist schon am ersten Tag im neuen Zuhause.
Am Anfang geben sie sich noch zurückhaltend. Ein bisschen niedlich schauen, vorsichtig schnurren, vielleicht zaghaft einrollen. Das dient nur einem Zweck: Vertrauen aufbauen. Der Mensch soll glauben, er hätte die Kontrolle. Ein klassischer Anfängerfehler.
Sobald die Grundbindung hergestellt ist, startet Phase zwei des Trainings.Hier lernt der Mensch wichtige Grundkommandos wie „Futter. Sofort.“ oder „Tür auf. Wieder zu. Wieder auf. Danke.“Besonders effektiv ist dabei die Methode des konsequenten Anstarrens. Katzen können minutenlang völlig regungslos schauen, bis der Mensch psychisch nachgibt. Wissenschaftlich noch kaum erforscht, aber extrem wirkungsvoll.
Fortgeschrittene Katzen arbeiten zusätzlich mit akustischen Signalen.Ein zartes Miauen bedeutet: „Ich hätte gern Futter.“Ein lauteres Miauen bedeutet: „Ich hätte jetzt wirklich gern Futter.“Ein sehr lautes Miauen um vier Uhr morgens bedeutet: „Du hast offensichtlich vergessen, dass ich existiere.“
Hat der Mensch gelernt, zuverlässig zu reagieren, folgt die Königsdisziplin: das Schlafplatz-Management.Hier wird dem Menschen beigebracht, dass das eigene Bett eigentlich der Katze gehört. Der Mensch darf es mitbenutzen, solange er sich möglichst wenig bewegt und nicht stört. Besonders wichtig ist es, exakt auf der Bettkante zu schlafen, damit die Katze genug Platz hat, sich quer auszubreiten.
Auch im Bereich Innenarchitektur übernehmen Katzen gern die Führung.Gegenstände auf Tischen dienen ausschließlich dazu, nachts systematisch heruntergeschoben zu werden. Das ist kein Chaos, sondern pädagogisch wertvolles Training in Achtsamkeit. Der Mensch soll lernen, nichts Wichtiges herumliegen zu lassen. Eine sehr nachhaltige Methode.
Im weiteren Verlauf entwickeln viele Katzen individuelle Spezialisierungen.Manche werden zu professionellen Weckern, die garantiert zu früh, aber niemals zu spät klingeln.Andere perfektionieren die Kunst, genau dann auf die Tastatur zu steigen, wenn der Mensch konzentriert arbeitet. Das fördert bekanntlich die Work-Life-Balance.
Trotz dieser strengen Ausbildung steckt hinter allem natürlich Zuneigung.Denn eine Katze erzieht nur Menschen, die sie wirklich behalten möchte. Das gelegentliche Schnurren, das leise Köpfchengeben oder das Einschlafen direkt neben dem Menschen sind kleine Hinweise darauf, dass man die Prüfung bestanden hat.
Und wenn wir ehrlich sind, lassen wir uns doch ziemlich gern erziehen.Denn am Ende bedeutet es, von einer Katze ausgewählt worden zu sein – und das ist bekanntlich eine ganz besondere Auszeichnung.



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